Hintergrund

Was ist Ricky und die Spinne?

Ricky und die Spinne / Ricky and the Spider ist ein verhaltenstherapeutisches Computerspiel. Es ist auf lerntheoretischen Grundlagen aufgebaut und richtet sich an 6-12jährige Kinder, die wegen einer Zwangserkrankung in verhaltensthera-
peutischer Behandlung sind. Ricky und die Spinne enthält verschiedene Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, die auf gut evaluierte Behandlungsansätze für Zwangsstörungen bei Kindern (March & Mulle, 1998; Piacentini, Langley, & Roblek, 2007), aber auch Erwachsenen zurückgehen (Foa et al., 1983; Salkovskis, 1999).
Das Spiel besteht aus einer Intro und acht Level. Am Ende jedes Levels erhält das Kind ein Blatt mit therapeutischen Hausaufgaben, die es bis zur nächsten Therapiestunde erfüllen soll. Erst dann kann das nächste Level gespielt werden.

Wovon handelt Ricky und die Spinne?

Ricky und die Spinne spielt auf einer Wiese. Grashüpfer Ricky und Marienkäfer Lisa sind sehr unglücklich. Seit einiger Zeit lebt in ihrer Gegend eine Spinne, die von den Tieren merkwürdige Dinge verlangt. So darf Ricky nur in einem besonderen Muster über die Wiese springen, und Lisa muss jeden Abend vor dem Einschlafen ihre Punkte zählen. Die Spinne macht den Tieren Angst, dass etwas Furchtbares geschehen wird, wenn sie ihren Befehlen nicht gehorchen. Deshalb tun sie, was von ihnen verlangt wird und verstricken sich dadurch immer mehr in das Netz der Zwangskrankheit. Eines Tages ist Ricky so verzweifelt, dass er Dr. Eule um Rat fragt. Dr. Eule ist mit Rickys Problem bestens vertraut – allerdings muss er zuerst ein Kind finden, das ihn versteht und bereit ist, ihm zu helfen....

Für wen wurde Ricky und die Spinne entwickelt?

Ricky und die Spinne wurde entwickelt, um Verhaltenstherapeuten in ihrer Arbeit mit zwangserkrankten Kindern zu unterstützen. Mit einer Prävalenz von 2% gehören Zwangserkankungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Als wirksamste Therapien gelten kognitive Verhaltenstherapie und Medikation. Leider fehlt es an Psychotherapeuten, die Zwangserkrankungen behandeln. Dies liegt unter anderem daran, dass es gerade für Kinder noch wenig therapeutisches Material gibt.
Das Computerspiel Ricky und die Spinne integriert die wichtigsten Behandlungselemente des verhaltenstherapeutischen Ansatzes und bietet eine Metapher, die es Kindern erleichtert, die Erkrankung, ihre Folgen und ihre Behandlung zu verstehen. Ricky und die Spinne soll betroffene Kinder ermutigen, sich dem Zwang zu widersetzen und Verhaltenstherapeuten bei der Behandlung von zwangserkrankten Kindern unterstützen.

Was bietet Ricky und die Spinne nicht?

Ricky und die Spinne ist kein Selbsthilfe-Spiel und kein Wundermittel. Für Kinder, die nicht an einer Zwangserkrankung leiden, ist das Spiel uninteressant. Für erkrankte Kinder genügt es jedoch nicht, Ricky und die Spinne zu spielen! Eltern, die vermuten, dass ihr Kind unter einer Zwangsstörung leidet, sollten nach einer sorgfältigen Abklärung durch einen Kinder- und Jugendpsychiater einen Verhaltenstherapeuten aufsuchen. Dieser kann entscheiden, das therapeutische Computerspiel Ricky und die Spinne im Rahmen der Behandlung einzusetzen. Auch Eltern dürfen das Spiel kaufen. Es ist jedoch nicht anzuraten, Ricky und die Spinne ohne Wissen des behandelnden Therapeuten zu spielen. Nur er kann nämlich beurteilen, ob die therapeutischen Hausaufgaben, die das Kind im Rahmen des Spiels erhält, so gut bewältigt wurden, dass zum nächsten Level gegangen werden kann.

Fachliteratur

Foa, E., Grayson, J. B., Steketee, G. S., Doppelt, H. G., Turner, R. M., & Latimer, P. R. (1983). Success and failure in the behavioral treatment of obsessive-compulsives. Journal of Consulting & Clinical Psychology, 51, 287-297.
Foa, E. B., Liebowitz, M. R., Kozak, M. J., Davies, S., Campeas, R., Franklin, M. E., et al. (2005). Randomized, Placebo-Controlled Trial of Exposure and Ritual Prevention, Clomipramine, and Their Combination in the Treatment of Obsessive-Compulsive Disorder. Am J Psychiatry, 162(1), 151-161.
March, J. S., & Mulle, K. (1998). OCD in children and adolescents. A cognitive-behavioral treatment manual. New York: Guilford Press.
Piacentini, J., Langley, A., & Roblek, T. (2007). Cognitive-Behavioral Treatment of Childhood OCD. It's only a false alarm. New York: Oxford University Press.
Salkovskis, P. M. (1999). Understanding and treating obsessive-compulsive disorder. Behaviour Research & Therapy, 37(1), S29-S52.